EMPÖRUNG ÜBER BRASILIENS KIRCHE
Das reine Gewissen des Vergewaltigers
Eine Neunjährige aus Brasilien wird vom Stiefvater missbraucht, ist schwanger. Ärzte nehmen eine Abtreibung vor – und werden von der Katholischen Kirche exkommuniziert. Eine völlig absurde Entscheidung: Denn ausgerechnet der Vergewaltiger ist aus Sicht der Kirche aus dem Schneider.
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Der behandelnde Gynäkologe, José Severiano Cavalcanti, empfahl eine rasche Abtreibung, um “Gefahr für Leib und Leben” des Mädchens abzuwenden. Die Neunjährige ist 1 Meter 30 groß und wiegt gerade 36 Kilogramm. Es seien keine Brüste entwickelt, die Organe zu schwach und auch das Becken viel zu schmal, um ein Kind auszutragen, geschweige denn Zwillinge. In Brasilien, einem sehr christlichen Land, sind Abtreibungen streng verboten, es sei denn, es liegt eine Vergewaltigung vor oder es drohten Gefahren für die Mutter. Deswegen sterben in Brasilien jährlich Tausende Frauen an den Folgen illegaler Abtreibungen.
Der Erzbischof von Olinda und Recife, José Cardoso Sobrinho, hatte dennoch eine Fortführung der Schwangerschaft gefordert. Ganz in Einklang mit lebensbejahenden Position seiner Kirche erklärte er, “Gesetze der Menschen (dürften sich) nicht über die Gesetze Gottes stellen”. Ein Abort sei “Mord an zwei Unschuldigen”, womit der Erzbischof nicht die Neunjährige meinte.
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Die Anwältin des Bistums erklärte, das Mädchen selbst würde die Zwillinge gerne austragen und dann gemeinsam mit ihrer älteren Schwester großziehen. Sie erklärte nicht, dass die Neunjährige im Falle ihres Todes auch eine gute Chance hätte, als Märtyrerin des Glaubens zügig seliggesprochen zu werden. Nachdem am Mittwoch voriger Woche der Eingriff erfolgreich durchgeführt worden war, sprach der Erzbischof von einem “Verbrechen” und “Verstoß gegen die Gesetze Gottes” und exkommunizierte die Mutter des Mädchens, den Gynäkologen und weitere in den Fall involvierte Personen. Der Stiefvater wurde dagegen nicht exkommuniziert.
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